Maison Thiry

Sommer 2010

Einer der beeindruckendsten Lost Places war für mich eindeutig „Maison Thiry“: ein verlassenes Wohnhaus einst wohlhabender Bewohner, die all ihr Hab und Gut der Kirche vermacht hatten. Diese wiederum interessierte sich für das Gebäude und sein Inventar keinen Deut – und überließ es sich selbst.

Das Ergebnis war ein auf mehreren Etagen vollständig eingerichtetes Anwesen, in dem die Zeit buchstäblich stehen geblieben war: abgelaufene Medikamente im Schränkchen, verdorbene Konserven in der Vorratskammer. Im Schrank der Mantel, noch mit dem Schutzbezug der Reinigung; eine kleine Holzschublade voller Postkarten, die halbfertige Handarbeit neben dem Sessel, der kleine Abreißkalender an der Wand zeigte, ähnlich der gefundenen Korrespondenz, ein Datum Mitte der 90er Jahre.

Wir verbrachten den gesamten Tag hier, in völliger Stille und fast schon andächtig – so viele Motive auf so engem Raum hat man selten. Sehe ich die Bilder jetzt hätte ich 1000 Ideen für alternative Blickwinkel und Motive, doch „Maison Thiry“ ist nur noch eine Erinnerung – das Gebäude wurde abgerissen und an seiner Stelle ein schickes neues Gebäude errichtet.

 

Soundtrack: „Paper Shadows“ · Chad Lawson · Dark Conclusions: The Lore Variations

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