Gotterbärmliche Zustände auf dem Kaßberg

Gotterbärmliche Zustände auf dem Kaßberg

Samstag, 14. Oktober 2006 (Chemnitzer Morgenpost) Ein Bayer lässt die Kirche vergammeln

Oh Gott, helf(t) doch dieser Kirche! Das einzige Geschöpf, die hier drin noch lebt, ist der Holzwurm im Gebälk. Es geht um die Holzkirche in der Kaßbergstraße 19. Ursprünglich gehörte sie der Dreieinigkeitskirche. Doch die verkaufte das 1949 geweihte Gotteshaus in den 90ern, nachdem es treue Dienste als Aushilfskirche geleistet hatte. Hintergrund: Die eigentliche Dreieinigkeitskirche (Kaßbergstraße 21) war 1945 zerstört worden. Nach dem Krieg ließ die Gemeinde jene Holzkirche auf dem Nachbargrundstück errichten, die bis in die 70er genutzt wurde. Thomas Morgenstern von der Denkmalschutzbehörde: »Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Wenn der Eigentümer sie jedoch abreißen will, werden wir wahrscheinlich Grünes Licht dafür geben. Sie zu sanieren, ist nicht zumutbar.«

Eigentümer ist Günter Plößl aus dem bayerischen Biberbach: „Jo mei, ich wollt ein Zehnfamilienhaus drauf baun. Das hat der Markt aber net hergegeben. Und jetzt ist das Grundstück halt im Bestand.“ Klartext: Die Kirche rottet vor sich hin, bis ein Wunder geschieht. Und bis dahin wird sie weiter so aussehen – zum Gotterbarmen…

Inzwischen steht von der Holzkirche nur noch eine einzelne Mauer – der Zahn der Zeit und die Gleichgültigkeit des Besitzers haben gewonnen…